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Es gibt eine bittere Wahrheit, der wir starken Herzens ins Auge blicken müssen: Das Kino ist ein Mausoleum, der Film ist ein Schattenreich. FilmFundBüro ist eine Agentur für lebende Leichen. Leichen, die unentwegt in ihren Gräbern rotieren, geplagt vom Laufstreifen vermodernden Celluloids.
Unverzagt und furchtlos steigen die Mitarbeiter des FilmFundBüros in den sepiagetönten Pesthauch von Nitratgrube und Fixierbad, in die enervierenden Zeitschleifen des Videoarchivs. Im Faltenwurf einer fragwürdigen Geschichte kämpfen sie gegen das Vergessen und für das Vergessen zugleich. Sie halten Silberscheiben gegen das Licht der untergehenden Sonne und schauen eine verglimmende Kultur.
Umwittert von grauen Nebeln kiesen sie morbide Kleinodien, in denen die endlosen Wiederholungszwänge der Kinogeschichte ein weiteres Mal widerscheinen: Filme aus Vorgefundenem, längst verklungene Bilder, angefüllt mit Liebe, Tod und Musik.
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Wir sind der Bilder
voll, verstrahlt von Hollywood und Babylon. Wir sind Trunkene einer teuflischen
Bowle, verrührt von UFA, Warner, Dreamworks, von Zanuck, De Laurentiis
und Eichinger. Das macht uns rasend, aufgedreht zum Spiel. Es ist an der Zeit,
zurückzublicken, das zu bemerken, was die offiziellen Versionen
so gern verschweigen.
Zuviel ist schon übersehen worden. Leinwand und Bildschirm haben nicht
nur unseren Radius erweitert. Sie brachten auch das Starren und Dösen,
die Bedröhnung der Sinne, den Overload von Zeichen und den Verlust
der Übersicht, eines Vertrauens in den eigenen Ort.
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In Zukunft verschärft
sich noch der Angriff der Vergangenheit auf die Gegenwart. Endliche Menschen
sehen sich einer wachsenden Zahl von filmischen Aufzeichnungen gegenüber.
Archivieren, Ordnen, Samplen (und auch das Löschen?) werden zu lebenswichtigen
Tätigkeiten. Das FilmFundBüro hat es sich zum Ziel gesetzt, an der
Schaltstelle von analoger filmischer Aufzeichnung und digitaler Bearbeitung/Archivierung
zu agieren. Daraus entstehen Found-Footage-Arbeiten, die filmgeschichtliche
Versatzstücke rekombinieren. Und es entstehen Dokumentationen, die
filmische Inszenierungen unter ihren eigenen medialen Bedingungen reflektieren:
als bewegte Bilder auf Leinwand oder Schirm. So spinnt das FilmFundBüro
mit am Ariadnefaden, der ZuschauerInnen den Weg durch das Labyrinth weisen soll.
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Das FilmFundBüro
interessiert sich für alles, was sich als Bewegtbild mit Filmgeschichte
auseinandersetzt. Unsere Frage richtet sich an den Status dieser Bilder im digitalen
Zeitalter: Hält das Kino die Pixel überhaupt aus?
Formatwandlung, Neuordnung im Schnittprogramm, freeze frame – so lautet
das Gebot der Stunde.